Чуждоезиково обучение

Приложна лингвистика

EINE EXEMPLARISCHE STUDIE ZUR NUTZUNG VON ANGLIZISMEN IM AUFMACHERARTIKEL EINER DEUTSCHEN TAGESZEITUNG

Резюме. In diesem Beitrag soll exemplarisch untersucht werden, wie viele Anglizismen in einem spezifischen deutschen Zeitungstext, dem Aufmacherartikel der Süddeutschen Zeitung, zu finden sind, der sich auf das wichtigste Thema des Vortages bezieht. Ziel des Beitrags ist es, den Einfluss des Englischen nicht auf der rein lexikalischen Ebene zu untersuchen, sondern insbesondere in Bezug zu dem Kontext, in dem der jeweilige Anglizismus aufgefunden wurde. Das Ergebnis ist, dass zumindest im Kontext dieser spezifischen Pressetextsorte englischsprachige Wörter oder vom Englischen beeinflusse Neologismen nicht sehr häufig zu sein scheinen. Wenn sie häufiger auftreten, dann inhaltlich begründet: im Kontext neuer Themen und spezifischer Fachdomänen.

Ключови думи: Media-adequate didactic presentation; etymologies; German; foreign-language influence; newspaper

1. Einleitung

Etwas polemisch könnte man argumentieren, dass viele europäische Nationalkulturen in der Diskussion darüber vereint sind, ob es zu viele Fremdwörter in ihren jeweiligen Landessprachen gebe. Eine besondere Rolle spielt in diesem Kontext die Furcht vor dem Englischen. Sie lässt sich unter anderem für Deutschland (mit der Angst vor dem „Denglischen“, beispielsweise Schneider, 2008 oder Trabant, 2011), für Frankreich („Franglais“, Etiemble, 1991), für Polen („Ponglish“, Szumer, 2007) oder für Schweden (Lindblom/Kirsch/Rubensson, 2013) nachweisen, um nur einige zu nennen. Aus deutscher Sicht wird häufig übersehen, dass in einigen Ländern ebenso ein Einfluss des Deutschen auf die dortigen Sprachen beklagt wird, etwa in Spanien (bereits Canicio, 1970, aktueller: Mateos & Ortega, 2000). Stets – in allen genannten Ländern – dominiert der Eindruck, die eigene Sprache sei bedroht (Stegu, 2012).

Die Frage ist jedoch, ob dies wirklich der Fall ist. In Deutschland hat das Institut für Deutsche Sprache errechnet, dass etwa drei Prozent der Lexik des Deutschen aus dem Englischen stammen (DFWB; hier: Band 7). Auch andere Autoren nennen Zahlen in dieser Größenordnung (zum Beispiel Stickel, 2001; Körner, 2004. insbesondere 36; Eisenberg, 2011). Das lexikalische Vorkommen – also der Anteil am Wortschatz (types) – sagt jedoch noch nichts darüber aus, wie häufig Anglizismen genutzt werden – wie frequent also die Verwendung in unterschiedlichen Texten tatsächlich ist: Es könnte sich um überproportional beliebte Wörter, aber umgekehrt auch um seltene Fachbegriffe handeln. Allerdings gibt es zur Pragmatik der Anglizismen-Nutzung bisher noch wenige Diskussionsbeiträge, geschweige denn belastbare Ergebnisse. Busse hat 1999 behauptet: „Die Zahl der im Deutschen geläufigen Anglizismen ist vergleichsweise gering“ (1999: 20), wurde aber von Fink mit der Aussage zurechtgewiesen, dass dies „empirisch nicht bewiesen“ sei (2001: 34) – eine Kritik, die offenbar zu Recht erfolgt ist; allerdings gibt es auch nur wenige empirischen Gegenbelege, so dass von beiden Seiten ein wohl lediglich hermeneutisch gewonnener allgemeiner Eindruck als Grundlage der jeweiligen Aussagen existiert. Es gibt zwar frühere statistische Untersuchungen zum Vorkommen von Anglizismen in der Pressesprache, die aber älteren Datums sind und sich auch auf sehr spezifische Presseorgane beziehen (zum Beispiel Yang 1990, der den Spiegel untersucht, ein Nachrichtenmagazin, das für seine Manierismen bekannt ist). Grundsätzlich ist der Bereich der Nutzung also noch immer relativ ununtersucht; so hat auch Eisenberg (2011) die Verteilung von Anglizismen im Alltagsdeutsch nicht quantitativ dargestellt.

Andererseits ist offensichtlich, dass Anglizismen (zumindest nicht nur) Thema einer rein lexikalischen Überprüfung sein können. Dies wird anhand vieler Studien deutlich, die sich jeweils auf unterschiedliche Genres, unterschiedlicher Kontexte und unterschiedlicher Inhaltsfelder konzentrieren, beispielsweise die Pressesprache (z.B. Götzeler, 2008), die computergestützte Kommunikation (z.B. Krome, 2018), verschiedene Technikdisziplinen wie beispielsweise der Bereich der Luftfahrt (z.B. Orthaber, 2012), oder die Werbung (z.B. Kupper, 2007; dort offenbar fast ausschließlich bezüglich auf Slogans, nicht auf Erklärtexte; auch Stypa, 2014). Anglizismen finden sich also (offenbar) konzentriert in spezifischen Domänen, neben den genannten auch etwa im Zusammenhang mit Computerwissenschaften, Wirtschaft, Populärkultur, Mode und Kunst – Bereiche, in denen die deutsche Sprache nicht speziell entwickelt wurden oder woher aktuelle Trends aus der englischsprachigen Welt stammen (Zifonun, 2002). Krome (2018) hat in ihrer rezenten Studie deshalb auch Anglizismen als Indikatoren für die Genese und Entwicklung gesellschaftlich relevanter Themen genutzt.

Gerade die offensichtliche Bedeutung von Anglizismen in zukunftsorientierten Fachkontexten könnte aber in der Tat auch Auswirkungen auf die Allgemeinsprache haben. So ist nicht nur vor dem Hintergrund der genannten, normativ begründeten Diskussionen, sondern auch aus allgemeiner sprachwissenschaftlicher Sicht erstaunlich, dass bisher offenbar kaum Studien insbesondere quantitativer Art zur spezifischen Nutzung von Anglizismen durchgeführt worden sind. Diese Untersuchung soll angesichts der unbefriedigenden Situation einen Beitrag leisten, um für künftige Diskussionen eine empirische Grundlage zu schaffen.

2. Die Studie

Vor dem Hintergrund der Vermutung, dass Anglizismen vor allem in den ,modernen‘, zukunftsträchtigen Bereichen genutzt werden, so dass ihr Einfluss langsam doch zunehme – dass es also Ausstrahlungseffekte gebe und somit die Nutzung auch in anderen Domänen langsam, aber stetig weiter steige –, sollte versucht werden, eine Quelle mit tendenziell aktuellen Themen und damit auch Kontexten des Sprachgebrauchs zu finden. Dies schien bei Aufmacherartikeln von Tageszeitungen gegeben zu sein. Unser Material entstammt der meistverkauften Zeitungen in Deutschland (Süddeutsche Zeitung).

Die Wahl auf Aufmacherartikel fiel unter der Annahme, dass dort eine gezielte Sprachverwendung vorgefunden werden kann, die sich an der Verständnlichkeit orientiert, denn Zeitungen sind kommerzielle Produkte, müssen also verkauft werden – und man kann keine Zeitung verkaufen, deren Artikel von den potentiellen Lesern nicht verstanden werden können; hierbei scheint eine zeitgemäße Lexik eine besondere Rolle zu spielen. Aufmacherartikel sind, als Aushängeschilder der Zeitung, wohl besonders sorgfältig geschrieben. Es herrscht vermutlich das Bewusstsein vor, dass diese Artikel von der Mehrzahl der Leser zur Kenntnis genommen werden. Falls diese Annahme zutreffend sein sollte, würde das Bemühen um (alltagssprachliche) Verständlichkeit bei dieser Kategorie besonders auftreten.

Aufmacherartikel betreffen zudem das jeweils wichtigste Ereignis des Vortags. Damit haben wir es mit einer größeren Themenbreite zu tun, als wir sie gegebenenfalls auf ,reinen‘ Politik-, Wirtschafts-, Kultur- oder Sportseiten finden: Die Süddeutsche Zeitung stellt beispielsweise jeden Tag eine Seite der Innenpolitik, eine der Außenpolitik, ein jeweils ganzes Buch der Kultur, der Wirtschaft oder dem Sport zur Verfügung, aber nur auf der Titelseite und beim Aufmacherthema können Artikel aus all diesen Domänen auftreten – auch wenn sicherlich die Politik dominiert. Dennoch war wichtig, dass verschiedene Domänen zumindest vertreten sein konnten, da dies die Chance erhöht, eben auch eine domänenabhängige Anglizismenverwendung festzustellen.

Aus Praktikabilitätsgründen wurden für diese exemplarische Untersuchung die Aufmacherartikel aus einem Korpus gewählt, das zwei Wochen umfasst. Das Korpus wurde in der 13. und 14. Kalenderwoche 2017 gesammelt, umfasst also den Zeitraum vom 27. März bis zum 7. April 2017. Die Absicht war, ein Korpus zu gewinnen, das zwar sicher nur exemplarischen Charakter haben kann, das aber doch groß genug ist, um zumindest aussagekräftige Beobachtungen treffen zu können.

In der Tat kann bereits an dieser Stelle festgestellt werden, dass die Vorüberlegung korrekt war und wir nicht nur politische Themen vorfinden – auch wenn diese mit Abstand dominieren. Es gibt sowohl Artikel zur Innen-, als auch zur Außenpolitik, zudem aber auch einen Artikel zum Thema Justiz sowie zum Thema des internationalen Terrorismus.

Fraglich ist, was unter einem ,Anglizismus‘ verstanden werden soll. Ganz allgemein soll mit Busse jede sprachliche Erscheinung gemeint sein, „die auf Transferenz der englischen Sprache zurückgeht“ (Busse, 2001: 134). Allerdings sollen zwei Einschränkungen gelten. Da die Lexik untersucht wird, soll erstens auf die Analyse grammatikalische Einflüsse (wie „das macht Sinn“) verzichtet werden. Zweitens sollen Neologismen, die neue, in die Sprachnutzung notwendigerweise zu bezeichnende Sachverhalte oder Gegenstände benennen und bei denen es sich zwar um englischsprachige Herkunft möglich, wahrscheinlich oder gar sicher ist, die aber ein deutschsprachiges Vokabular benutzen, das zumindest seit der Standardisierung des Schriftdeutschen im 15. und 16. Jahrhundert existiert, ebenfalls nicht berücksichtigt werden: Die Computer-,Maus‘ oder der ,Drucker‘ sollen nicht als Anglizismen geführt werden, ebensowenig Lehnübersetzungen vom Typ ‚Wolkenkratzer‘. Dagegen gelten auch solche Wörter als Anglizismen, die im Englischen selbst als ,Fremdwort‘ lateinischen und französischen Ursprungs erlebt werden, die aber eben über das Englische in die deutsche Sprache gelangt sind (beispielsweise ‚Transfer‘).

Die Anglizismen sollen aufgefunden und quantifiziert werden, wobei Komposita wie ‚Fileshare-Software‘ als zwei Anglizismen gezählt werden. In einem zweiten Schritt soll dann eine Analyse der Kommunikationszusammenhänge erfolgen, in denen diese Wörter benutzt werden. Es soll also quantitativ untersucht werden, in welcher Größenordnung sich die Anglizismennutzung in den Aufmacherartikeln des genannten Zeitraums bewegt; es sollen aber auch die Domänen und die Gründe dargestellt werden, die für die Verwendung von Anglizismen ursächlich sein mögen. Dies erfolgt, indem wir inhaltsanalytisch analysieren, in welchen Kontexten die vorgefundenen Anglizismen gebraucht sind.

3. Empirische Befunde

3.1. quantitative Analyse

Am Montag, dem 27. März 2017 befasste sich der Aufmacherartikel der Süddeutschen Zeitung mit den Landtagswahlen im Saarland, die am Tag zuvor stattgefunden hatten. Es handelt sich also um ein Thema aus der deutschen Innenpolitik. Die Überschrift lautet „CDU gewinnt Wahl im Saarland“. Der Artikel weist 681 Wörter auf. Darunter befindet sich kein einziger Anglizismus.

Auch am folgenden Tag, am Dienstag, dem 28. März 2017, befasst sich die Süddeutsche Zeitung mit der saarländischen Landtagswahl und ihren landes-, aber auch bundespolitischen Folgen (zudem wird insofern auch kurz die Weltpolitik gestreift, als betont wird, dass der US-amerikanische Präsident Donald Trump bei Bundeskanzlerin Merkel angerufen habe, um ihr zum Wahlsieg ihrer Partei zu gratulieren; es wird darauf hingewiesen, dass dies aus Anlass von Landtagswahlen äußerst selten passiere). Der Artikel mit der Überschrift „Schulz warnt CDU: Freut euch nicht zu früh“ ist mit 407 Wörtern deutlich kürzer als der Aufmacherartikel vom Vortrag. Außer dem Namen des amerikanischen Präsidenten und der damit einhergehenden Kombination der hier toponymisch gemeinten Abkürzung ,US‘ (zwei Mal in „US-Präsident“) finden wir keinen Anglizismus.

Der Artikel der Süddeutschen Zeitung von Mittwoch, dem 29. März 2017 befasst sich nicht mehr mit Innenpolitik, sondern mit Welt- beziehungsweise Umweltoder genauer: Klimapolitik. Die Überschrift lautet „Trump bricht mit Obamas Klimapolitik“. Der Artikel ist exakt 400 Wörter lang. Erstmals finden wir zahlreich Anglizismen in einem der Aufmacherartikel der Süddeutschen Zeitung, wobei es sich allerdings fast ausschließlich (erneut) um Anthroponyme und Toponyme handelt. Anlass des Artikels sind Entwicklungen in einem englischsprachigen Land, den USA. So ist es kein Wunder, dass zunächst viele amerikanische Eigennamen aufzufinden sind. Zudem haben wie das Toponym ,Washington‘ und den Landesnamen ,USA‘ sowie mehrere Abwandlungen wie ,US-Präsident‘ und andere). Wir finden zwei Mal die Bezeichnung ,Clean Power Plan‘, wobei sie beim ersten Mal in Anführungszeichen gesetzt ist. Dabei handelt es sich um die Bezeichnung des Dekrets von Trumps Vorgänger Barack Obama; es handelt sich also um die Zitation einer Bezeichnung in der Originalsprache und nicht um einen als Anglizismus benutzten Ausdruck; diese Bezeichnung taucht deshalb auch nicht in der Zählung auf. Die amerikanische Lobbygroup aus dem Umweltbereich ,Nextgen‘ (als Abkürzung für ,next generation‘) wird von uns als Name bewertet, wie auch ,Greenpeace‘. Die Abkürzung ,EPA‘ steht für ,Environmental Protection Agency‘, die im Text als ,US-Umweltbehörde‘ erklärt wird. ,UN‘ wird nicht erklärt und steht für ,United Nations‘; dagegen wird ,Unep‘ (das ,United Nations Environment Programme‘ als ,UN-Umweltprogramm‘ erklärt. ,Washington‘ als Toponym steht metonymisch für die amerikanische Regierung.

An ,wirklichen‘ Anglizismen finden wir dagegen nur zwei Wörter, nämlich ,Fracking‘, für das es keine deutsche Entsprechung gibt (in der Tat handelt es sich um ein Kurzwort aus ,Hydraulic Fracturing‘; als Spezifikum für das entsprechende Verfahren gibt es aber im Deutschen keine Alternative zu diesem Wort) und ,Lobby‘ (,In teressenvertretungsorganisation‘ im Kompositum ,Umweltlobby‘). Insgesamt gibt es 44 Anglizismen. Der Anglizismenanteil liegt (inklusive aller Namen, Anthroponyme und Toponyme sowie ihrer Wiederholungen) bei 11 %. Tatsächlich gibt es aber nur zwei ,richtige‘ Anglizismen, nämlich ,Fracking‘ und ,Lobby‘ – dies wäre ein Prozentsatz von 0,5 % bezogen auf die Gesamtwortzahl des Aufmacherartikels.

Am Donnerstag, dem 30. März 2017, thematisiert der Aufmacherartikel der Süddeutschen Zeitung ein außen- beziehungsweise europapolitisches Thema, den sogenannten ,Brexit‘, der mithin ebenfalls ein englischsprachiges Land zum mittelbaren Thema hat: das Vereinigte Königreich. Die Spitzmarke lautet demnach auch ,London‘, und ,London‘ als Toponym beziehungsweise als metonymischer Ausdruck für die britische Regierung findet sich mehrfach im Artikel. Bereits die Überschrift nutzt zudem das englischsprachige Anthroponym ,May‘, den Nachnamen der britischen Premierministerin („May: Wir verlassen die EU, nicht Europa“). Dieses und weitere Toponyme und Anthroponyme finden sich mehrfach; als weiterer Name kommt derjenige des ,Eurostar‘-Zuges vor. An tatsächlichen Anglizismen finden wir ,Brexit‘, ein Kurzwort aus ,Britain‘ und ,exit‘ (vier Mal) sowie den Ausdruck ,fair‘, beide Male adjektivisch. Insgesamt haben wir also in dem 426 Wörter langen Artikel 23 Wörter (5,39 %) englischsprachigen Ursprungs, ohne Anthroponyme, Toponyme und ihre Ableitungen sind es aber nur sechs Nennungen (1,4 %), wobei es sich tatsächlich sogar nur um zwei Wörter handelt (,Brexit‘ und ,fair‘).

Der Aufmacherartikel der Süddeutschen Zeitung vom Freitag, dem 31. März 2017 ist 430 Wörter lang. Die Überschrift lautet „Eltern haften für illegale Downloads“. Der Artikel befasst sich grundsätzlich mit einem juristischen Thema an der Schnittstelle zur Computertechnologie. Die Anglizismen in diesem Text betreffen überwiegend Begriffe aus dem letztgenannten Feld; dazu kommen erneut einige Namen (,Universal Music‘ – hier als zwei Wörter gezählt – und ,Rihanna‘) sowie der Titel eines Song der Sängerin („Loud“). Daneben finden sich jedoch viele Anglizismen aus der Domäne der Computertechnologie: ,Up- und Downloads‘ (hier als zwei Wörter gezählt), ,Datentransfer‘, ,Wlan‘ (drei Mal jeweils in Kombination mit ,-Anschluss‘ beziehungsweise ,-Familienanschluss‘; als Abkürzung für ,Wireless Local Area Network‘), ,Top Ten‘ (hier als zwei Wörter gezählt), ,Charts‘, ,Internet‘ (im Kompositum ,Internetnutzung‘), ,Computer‘ sowie das Kompositum ,Fileshsaring-Software‘. Insgesamt haben wir 18 Wörter englischsprachigen Ursprungs (4,18 %) und 14 Wörter (3,25 %) als tatsächliche Anglizismen.

Am Montag, dem 3. April 2017 befasst sich der Aufmacherartikel der Süddeutschen Zeitung mit einem Thema aus dem Bereich der Wirtschaftspolitik, erneut – wie schon am 28. März – aus Anlass einer Entscheidung des amerikanischen Präsidenten Donald Trump, so dass deshalb auch erneut englischsprachige Anthroponyme und Toponyme auftreten. Der Artikel hat die Überschrift „Berlin bereitet sich auf Handelsstreit vor“. Er ist 385 Wörter lang; darunter finden wir 23 englischsprachige Wörter (5,97 %). Neben den Toponymen und den Anthroponymen taucht als Name ein Mal ,Twitter‘ auf. Tatsächliche Anlizismen gibt es lediglich zwei, nämlich ,unfair‘ und ,Dumping‘ (0,52 %).

Der Aufmacherartikel der Süddeutschen Zeitung von Dienstag, dem 4. April 2017 befasst sich mit Geschehnissen in einer ganz anderen Weltregion, nämlich mit einem Terroranschlag in Russland (Überschrift: „Terroralarm in St. Petersburg“). Demnach gibt es auch keine englischsprachigen Anthroponyme oder Toponyme. Insgesamt gibt es in dem gesamten, 468 Wörter langen Artikel einen Anglizismus (,Video-Aufnahme‘), das ergibt einen Prozentsatz von 0,21. Das Wort ,Video‘ ist zwar lateinisch, hat die deutsche Sprache aber im Kontext neuer technischer Entwicklungen über die englische Sprache erreicht; dies war, wie bereits oben dargelegt, das relevante Kriterium.

Am Mittwoch, dem 5. April 2017 befasst sich die Süddeutsche Zeitung wieder mit einem außen- beziehungsweise weltpolitischen Thema, dem vermuteten Giftgasangriff des syrischen Regimes auf eine Stadt im eigenen Land (Überschrift: „Opposition wirft Assad Giftgasangriff vor“). Der Artikel ist 423 Wörter lang. Angesichts der weltpolitischen Diskussionen finden wir wieder mehrere Abkürzungen und Namen aus dem englischsprachigen Raum: die Abkürzungen ,UN‘, ,USA‘ sowie die Eigennamen ,Reuters‘ (Name einer Nachrichtenagentur). Als tatsächlichen Anglizismus finden wir das Wort ,Kampfjet‘, dessen Basiswort ,Jet‘ als Anglizismus zu werten ist; ,Kampfjet‘ taucht aber immerhin zwei Mal auf. Insgesamt weist der Artikel 13 Wörter englischsprachiger Herkunft auf; das entspricht einem Anteil von 3,07 %, der Anteil tatsächlicher Anglizismen liegt bei zwei Wörtern, also 0,47 % (mit der doppelten Nutzung ein und des selben Wortes).

Auch am darauffolgenden Tag, also am Donnerstag, dem 6. April 2017, dominiert der syrische Giftgasangriff und seine internationalen Konsequenzen den Aufmacherartikel der Süddeutschen Zeitung. Als Überschrift hat die Zeitung erstmals ein Zitat gewählt: „,Einsatz chemischer Waffen ist Barbarei‘“. Der Artikel ist 417 Wörter lang. Es gibt – in Analogie zum Vortag – wieder zahlreiche Abkürzungen, Namen beziehungsweise Anthroponyme sowie Toponyme mit englischsprachigem Ursprung. Insgesamt finden wir in dieser Rubrik zwanzig Wörter, das sind 4,8 % der Gesamtwörter des Artikels. Es gibt jedoch keinen ,eigentlichen‘ Anglizismus.

Auch am letzten Tag, den das Korpus umfasst, am Freitag, dem 7. April 2017, befasst sich der Aufmacherartikel der Süddeutschen Zeitung mit dem syrischen Giftgasangriff und seinen möglichen weltpolitischen Konsequenzen. Die Überschrift lautet „USA erwägen Militäraktion gegen Assad“. Die Tendenz der Vortage setzt sich fort: Wir finden vorrangig Abkürzungen, Namen beziehungsweise Anthroponyme sowie Toponyme mit englischsprachigem Ursprung, insgesamt 17 Wörter. In diesem Artikel gibt es einen ,richtigen‘ Anglizismus, nämlich ,Kampfjet‘ – ein Wort, das bereits im Artikel vom 5. April 2017 aufgetaucht ist. Der Artikel ist 398 Wörter lang; 4,27 % der Wörter sind Toponyme, Abkürzungen und Namen, nur 0,25 % sind eigentliche Anglizismen.

Insgesamt umfasst das deutsche Korpus 4436 Wörter. Davon sind 164 Wörter englischsprachiger Herkunft (3,69 %). Es scheint also, als bewegten wir uns in dem Bereich, der sich aus den Wörterbüchern ergibt. Tatsächlich besteht aber die große Mehrzahl dieser Wörter aus Anthroponymen und Toponymen. Es ist einerseits bekannt (bereits Roloff 1982), dass journalistische Textsorten besonders viele Anthroponyme und Toponyme aufweisen. Dass es in unserem Korpus besonders viele englischsprachige Namen gibt, erklärt sich aus dem Sachverhalt, dass die USA und, in einem geringeren Umfang, Großbritannien als Akteure in Artikeln mit außenund weltpolitischem Charakter von Bedeutung sind. Ohne diese Anthroponyme und Toponyme ist der Anteil der Anglizismen in den Texten dieses Korpus aber deutlich niedriger. Lediglich 28 Wortvorkommen (0,63 %) sind tatsächliche Anglizismen!

Tabelle 1: Süddeutsche Zeitung

DatumWörter(N)Anglizismen(N)Anglizismenpro Wörter (%)Anglizismenfett:,tatsächliche‘ Angizismennichtfett:Namen, Anthroponyme,Toponyme27. März 2017681---28. März 20174070 (4)0 (0,98)([Donald] Trump), (US-)29. März 20174002 (44)0,5 (11)(‘Clean Power Plan‘), (EPA),Fracking,(Greenpeace),Lobby, ([Jennifer]Morgan), (Nextgen),([Barack]Obama),(Scott Pruitt), (Tom Steyer)([Donald] Trump), (UN-) (Unep) (US- undUSA), (Washington)30. März 20174266 (23)1,4 (5,39)Brexit, (britisch, Briten undGroßbritannien), (Eurostar),fair(London), ([Theresa] May)31. März 201743014 (18)3,25 (4,18)Charts, Computer, Datentransfer,Filshsaring-Software,Internetnutzung, (“Loud“), (Rihanna),Top Ten, (Universal Music),Up- undDownloads, Wlan-Anschluss3. April20173852 (23)0,52 (5,97)Dumping, (Florida), ([Donald] Trump),(Twitter),unfair, (US- und USA),(Washington) (Wilbur Ross)4. April20174691 (1)0,21 (0,21)Video-Aufnahme5. April20174232 (13)0,47 (3,07)Kampfjet, (UN und UN-), (USAundUS-), (Reuters), (Sean Spicer), ([Rex]Tillerson)6. April20174170 (20)0 (4,8)(britisch), ([Groß]britannien), (NikkiHaley) ([Boris] Johnson),([Barack]Obama), ([Donald] Trump), (UN- undUN), (US- und USA)7. April20173981 (18)0,25 (4,52)Kampfjet, (Pentagon), ([Rex] Tillerson),(Donald Trump), (US-), (Washington)Gesamt27. März bis7. April2017443628 (164)0,63 (3,69)

3.2. Qualitative Analyse

Grundsätzlich kann festgehalten werden, dass Anglizismen kaum genutzt werden. Kommt es zu ihrem Gebrauch, scheinen bestimmte Themengebiete und Domänen bestimmend zu sein. Offenbar sind es also kontextabhängige Gründe, die zur Nutzung von Anglizismen führen.

Die vorgefundenen Anglizismen ballen sich in einem Artikel. Exakt die Hälfte (14 der 28 gefundenen Anglizismen) findet sich in dem Artikel, der sich mit rechtlichen Problemen des Musik-Downloads mit Hilfe von Computern befasst. Dies deutet darauf hin, dass es tatsächlich Domänen gibt, in denen die Nutzung von Anglizismen üblich, vielleicht auch sinnvoll und notwendig ist.

In der Tat handelt es sich dabei um Fachterminologie: ,Computer‘, ,Datentransfer‘, ,Filesharing-Software‘, ,Internetnutzung‘, ,Up- und Downloads‘ sowie , W-Lan-Anschluss‘. Teilweise gibt es dafür kein deutsches Äquivalent (insbesondere wohl für ,Computer‘, ,Filesharing-Software‘, ,Internet‘ und ,W-Lan‘), teilweise existieren Wörter, die aber seltener gebraucht werden: Im selben Artikel wird einmal auch ,Hoch- und Herunterladen‘ anstelle von ,Up- und Downloads‘ verwandt. Offensichtlich ist aber in diesem Fachkontext der Anglizismus gebräuchlicher. Wenn wir aus dem übrigen Kontext unseres Samples sehen, wie selten Anglizismen ansonsten Verwendung finden, deutet dies erneut auf die Domänenspezifik der Nutzung hin.

Im selben Artikel (in dem es um das Filesharing von Musikdateien geht) ist auch der Bereich der internationalen Popmusik tangiert. Auch hier finden sich viele Anglizismen, im Übrigen auch an Stellen, wo es deutsche Äquivalenzwörter gibt (.Charts‘ statt ,Verkaufshitparade‘, ähnlich ,Top Ten‘ statt ,Spitzenreiter der Hitparade‘). Offensichtlich spielt hier entweder die Art der Musik (die aus den USA stammt) eine Rolle, oder der Computerkontext führt zu Ausstrahlungseffekten.

In den anderen Artikeln tauchen Anglizismen nur auf, wenn es kein äquivalentes Wort gibt (,Brexit‘), oder in wenigen anderen Ausnahmefällen. ,Fair‘ hat sich offenbar im Deutschen durchgesetzt. Möglich, aber länger und in als Kompositum auch unschön wäre ,Interessengruppe‘ statt ,Lobby‘. Dies sind aber spezifische Einzelfälle. So ist das Ergebnis angesichts der quantitativen Analyse zumindest im Kontext dieser exemplarischen Studie schnell zu fällen: Anglizismen werdenoffenbar weitgehend vermieden und sind allenfalls inhaltlich begründet, beschränken sich also auf spezifische Kontexte.

4. Zusammenfassung

Der Gesamtanteil von Anglizismen liegt mithin bei deutlich unter einem Prozent (0,63 %). Allerdings zeigt sich, dass die Nutzung in der Tat themenbeziehungsweise domänenabhängig ist. In einem Artikel, der sich mit juristischen Problemen im Kontext der Computertechnologie befasst, kommen wir auf einen Anglizismen-Anteil von 3,25%. Umgekehrt heißt dies aber, dass der Anglizismenanteil selbst in diesem Kontext (um Einiges) unter vier Prozent liegt. Mit Namen liegt der Prozentsatz in einem (einzigen) Artikel (knapp) über der Vier-Prozent-Marke (4,18 %).

Insgesamt kann festgestellt werden, dass sich der Anglizismenanteil offenbar (nach wie vor) auf einem möglicherweise überraschend niedrigen Niveau bewegt.

Auffällig ist aber auch, dass es domänenspezifische Unterschiede gibt. Die Anglizismennutzung variiert in Abhängigkeit vom inhaltlichen und sozialen Kontext.

Als weiters wichtige Aussage kann aber gerade vor diesem Hintergrund festgehalten werden, dass es offenbar keine Ausstrahlungseffekte auf die Gesamttexte gibt; auch nicht in den Artikeln, die einer Domäne entstammen, in der wir eine spezifische Anglizismennutzung feststellen.

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